/// Der Schmale Grad  

Im Gespräch mit Fotos und dem Visions Redakteur Jan Schwarzkamp – außerdem werden die neusten Singles von I MIGHT BE WRONG und Mediengruppe Telekommander gespielt.

Das Interview

  …und alle so: „Yeaahh  

Über den Kommentar von Thomas Hinrichs, Tagesthemen:

„Wir sind, genau wie Sie auch, nicht dumm. Aber die Politik hält uns (und Sie offensichtlich auch) dafür. Das wird sich rächen, nicht morgen, nicht heute, sondern in ein paar Jahrzehnten, wenn das Netz neue Formen partizipatorischer Politik möglich machen wird. Dann sind die Figuren, die jetzt im Bundestag Theater spielen, obsolet. Das wissen die noch nicht, aber wir. Und wir sagen es ihnen, jeden Tag, nur zuhören tun sie uns nicht.

Deshalb: …und alle so: „Yeaahh!““

via: nerdcore, René Walter, Erfinder der Matrix ;)

via rebelart

  /// Der wundersame Aufstieg des Guido W.  

Das fleischgewordene Guidomobil wird also Außenminister. Wir haben es ja geahnt, befürchtet, prognostiziert und bis Sonntag belächelt: schwarz-gelb gewinnt. Im Tierreich heißt schwarz-gelb: Achtung Gefahr, oder giftig. Deshalb sind bspw. Hornissen schwarz-gelb. Bei uns ist das wohl auch nicht anders, droht doch der Giiiiiido damit, dass überall auf der Welt nur noch deutsch gesprochen werden dürfe, wenn er kommt (ja auch du, kleiner BBC-Reporter!). Der giftige Kleingeist hat gesiegt, die Pedanterie und die Komplexe eines Mannes mit einer gequält überspielten Unsicherheit, die ganz leicht in diktatorischen Größenwahn umschlägt. „Wir sind in Deutschland und hier spricht man selbstverständlich Deutsch.“ Abtreten. Aua.
Mit dem „Projekt 18“ im Jahr 2002 ließ er schon keine Peinlichkeit aus. Dennoch kam der grienende Guido in seinem Mobil nur auf 7,4%. Doch jetzt, Außenminister. Das heißt also, dass Deutschland nach außen zukünftig von einem stotternden Idioten repräsentiert wird, der weder des englischen und mit wenig Wahrscheinlichkeit weiterer Fremdsprachen mächtig ist. Nur beim Genuss britischen Tees sieht sich WeWe in der Lage auch auf englische Fragen antworten zu können. Wunderbar. Als hätten wir nicht schon genug Probleme. Jetzt soll Obama also auch noch deutsch lernen, oder wie? Eine neue transatlantische Krise der Diplomatie deutet sich an.

die hymne gibts hier

  /// das sechsundsechzigste sonett von shakespeare  

ihr kotzt mich an, ich würd jetzt gerne gehn.

daß sie mein staunen immer noch bescheiden nennen
und hinter lachen nicht die armut sehn
und freien mut nicht, nur noch lüge kennen
und schamlos ihr geschwätztes konserviern
und liebstes nur zum zoten finden
und über unrecht, uns und unglück nicht mehr friern
und über jede art uns einzubinden
und die verfolgten dieser zeit bei tische mit verbieten
und herren sind und schrecklich unentzweit
daß alle aufrechten aus ihrer welt gerieten
und so gefahr mir droht: gewöhnung ist nicht weit.

und wie gesagt: ihr kotzt mich an;
doch mir zum gehn fehlt dieser dort
schweigende und redende und mir so liebe mann.

Ronald Schernikau (1979)

erstveröffentlicht in LEGENDE, ddp goldenbogen, dresden 1999

  /// Der letzte Kommunist in Magdeburg  

„Wer aus egoistischen Gründen kein Kommunist wird, der ist kein Kommunist,“ meint Schernikau und formuliert damit seine radikale Gesellschaftskritik. Denn der gebürtige Magdeburger wusste: „die DDR nervt“. Trotzdem hatte er immer vor sie mitzugestalten. Obwohl seine Mutter ihn mit in den Westen nahm und er dort aufwuchs, wollte er wieder zurück in den Osten. Nach dem Verfasser seiner Biographie, Mattias Frings zählten für Schernikau drei Dinge: die Literatur, das Schwulsein und der Kommunismus.

Diese Lebensinhalte finden sich auch in den bekannten Romanen „Die Kleinstadtnovelle“ und „Legende“ wieder. Stets hat der damals junge Autor versucht seine Kritik auch im „real existierenden Sozialismus“ zu formulieren. Das dankten ihm die Genossen mit einem Publikationsverbot.

Frings begleitete ihn als guter Freund seit den achtziger Jahren und weiß daher, dass es für Schernikau nie nur um eine freie Schwulenbewegung ging, sondern um die Emanzipation der ganzen Gesellschaft. Die Stationen seines bewegten Lebens hat Frings nun in der Biografie, „Der letzte Kommunist“ niedergeschrieben. Auf einer Lesereise kommt er am 20. September nach Magdeburg. Im Moritzhof wird er um 19 Uhr aus seinem Werk lesen.